medienforum.nrw: Von Trends und Verantwortung
Was uns lieb und teuer ist – so lautete das Motto des diesjährigen medienforum.nrw. Dies griffen die Besucher gerne auf, und auf dem medienforum.digital am Mittwoch wurde ausführlich und durchaus kontrovers diskutiert.
Moral im Web?
Jeder muss den Umgang mit den Neuen Medien lernen, lautete ein Resümee des amtierenden Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Er hielt die Keynote in der Auftaktveranstaltung „Was uns lieb und teuer ist. Neue Leitmedien, neue Werte, neue Inhalte.“ Dabei reiche es nicht aus, sich auf Selbstregulierung zu verlassen. Es müsse entsprechende Regeln geschafften werden, mit denen ein friedliches Miteinander im Internet unterstützt werde.
Genau diese Aussage sorgte bei den weiteren Teilnehmern in der anschließenden Diskussionsrunde, die von der versierten Journalistin Anke Bruns moderiert wurde, für einen aufgeregten Meinungsaustausch. Axel Schmiegelow, Geschäftsführer und Mitbegründer der Community Sevenload, Sarik Weber, Managing Director des Finanzierungsunterunternehmens Hanse Ventures und der Spreeblick-Blogger Johnny Haeusler waren sich einig: Das Netz reguliert sich selbst. Die von vielen Kritikern beschworenen Gefahren sowie kriminelle Handlungen seien im Internet nicht stärker vorhanden, als im realen Leben. Vielmehr sollten die Chancen und Möglichkeiten fokussiert werden, die durch die Digitalisierung entstehen. Die Debatte über das „Monster Internet“ würde nerven.
Datenschutz im Internet
Mindestens genauso spannend, wenn auch etwas differenzierter, wurde im anschließenden Panel „Vom Wert der Daten. Über Schutz, Sicherheit und Selbstbestimmung im Netz“ diskutiert. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, fragte in seiner Keynote: „Was ist öffentlich?“ Jeder, der in sozialen Netzwerken unterwegs ist und seine Daten nicht schützt bietet eine für für die Öffentlichkeit zugängliche Informationsquelle. Diese Informationen sind über Suchmaschinen auffindbar und können nicht wieder gelöscht werden. Jede digitale Identität ist somit für immer abgestempelt und unwiderruflich. Prof. Dr. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien (LfM) Düsseldorf, fasste seine Meinung so zusammen: „Was Medienmenschen derzeit am meisten beschäftigt und die ganze Branche bewegt ist: Auf welche Weise kann der Prozess der Digitalisierung in all seinen Konkretionen gefördert, und wie können mögliche Fehlentwicklungen gedämpft oder sogar beseitigt werden? Wo müssen Anreize gesetzt und wo muss Wildwuchs beschnitten werden?“
Schaar kritisierte, dass private Daten im Internet generell undurchsichtig verwendet werden. Viele Unternehmen wiesen ihre Nutzer nicht auf die Verwendung ihrer Daten hin und setzten diese teilweise sogar für andere Zwecke ein. Auch wenn die Nutzer generell die Möglichkeit hätten, ihre Daten durch individuelle Einstellungen zu schützen, blieben die Voreinstellungen der Dienste meist datenschutzunfreundlich. Der Leiter des Bereichs Medienpolitik bei Google Deutschland, Jan Kottmann erklärte, dass Google mit einer gesonderten Abteilung für Datenschutz und eigenen Datenschutzexperten zukünftig noch stärker auf die gesetzlichen Vorgaben achten werde. Probleme wie sie im Zusammenhang mit Googles Social Media Dienst Buzz aufgetreten seien würden aktiv vermieden werden.
Augmented Reality und Innovationen im Social Web
Das medienforum.digital eignete sich außerdem hervorragend, die Trends und Innovationen von morgen kennenzulernen. Allerdings handelte es dabei um keine unbekannten Themen, sondern vielmehr um Bereiche, die in Zukunft weiter ausgebaut und erforscht werden. Augmented Reality gehört dabei zu den absoluten Top-Trends. Die „ergänzte Realität“ wird bereits bei Architekten, in der Industrie, auf Veranstaltungen und in den Medien sowie im Entertainment-Bereich und in der Lehre verwendet, berichtet Dr. Leif Oppermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer Institut. Es handelt sich dabei zwar nicht um massentaugliche Anwendungen, doch zeigen sie großes Potenzial, zukünftig nicht nur die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen, sondern zusätzlich einen echten Mehrwert zu bieten.
In den Diskussionen um Innovationen im Social Web wurden Themen wie die Generation 50 Plus, ortbezogene Dienste wie foursqare und Gowalla oder Social Web Monitoring behandelt. Auch hier ging es um die Frage, wie alle diese bereits bestehenden Dienste intelligent, datenschutzkonform und integriert genutzt werden können.
Was war und was wird
Medienmanager, Medienpolitiker, Journalisten, Wissenschaftler und Unternehmer analysierten auf dem medienforum.digital den Strukturwandel, den die Digitalisierung der Medien ausgelöst hat. Dabei wurden sowohl die technische Infrastruktur und mögliche Geschäftsmodelle wie auch die Veränderungen in den Bereichen Kultur, Bildung und Gesellschaft betrachtet.
Das Internet hat sich als Medienkanal etabliert und erfährt nach wie vor einen großen Hype. Unsere Aufgabe ist es nun, die Chancen und Risiken gleichermaßen zu erkennen, zu nutzen und auszubauen. Das soziale Web erfreut sich enormer Beliebtheit und die Tendenz der Gesellschaft, sich digital zu vernetzen, zu informieren und zu kommunizieren steigt täglich. Damit wächst gleichzeitig auch die Verantwortung, kompetent und überlegt mit dem Medium umzugehen und die allgemeingültigen Regeln des Miteinanders auf das Web zu übertragen.
Welche Technologien uns in Zukunft noch überraschen und begeistern werden, bleibt nur abzuwarten. Wie wir sie nutzen und einsetzen, ist unsere aktive Aufgabe.