Warum es sich (immer noch) lohnt, agil zu werden 

Agil werden

Warum es sich (immer noch) lohnt, agil zu werden 

Agil werden

Agile ist nicht neu. Trotzdem wird es heiß diskutiert. Meinungen dazu siedeln sich zwischen “Der Weg zum Erfolg” oder aber “Die nächste Sau durchs Dorf treiben” an. Das Thema bewegt nach so vielen Jahren immer noch viele Unternehmer und die Standpunkte sind vielfältig. Genau betrachtet kann in der heutigen Zeit aber gar nichts gegen den Kern von agilem Arbeiten sprechen. Er ist notwendig geworden. Daher lohnt es sich, Agilität weiter zu etablieren.  

Was hat der Spargel-Anbau mit Agilität zu tun? Und was das Edelgemüse mit dem Internet der Dinge? Eine ganze Menge, wie das Unternehmen Bosch schon 2015 gezeigt hat. In nur drei Wochen hat Bosch eine vernetzte Sensorlösung für den Spargelanbau entwickelt. Spargel-Anbauer können durch die Bosch-Sensoren den Temperaturverlauf in der Erde über das Smartphone verfolgen. Das erleichtert ihre Arbeit, denn Spargel mag es warm. Nicht selten beheizen Landwirte ihre Spargelfelder schon im Januar, decken ihre Felder mit Folie ab und mussten tagesaktuell den Wetterbericht verfolgen. Nun landen die Informationen über die Erdtemperatur in einer App und die Landwirte können einfacher und datenbasiert Entscheidungen treffen.  

Drei Wochen sind eine kurze Entwicklungszeit für neue Technologien und vor allem für ein funktionierendes, fertiges Produkt. Doch nach dieser kurzen Zeit stand bei Bosch dank agiler Methoden und der Zusammenarbeit interdisziplinärer Bosch-Geschäftsbereiche eine ganze Menge: die Funkverbindung, die App, Landwirte als Partner, und die Cloud-Lösung. Zwei Systeme konnten nach drei Wochen funktionstüchtig durch Landwirte in Betrieb genommen werden.  

Neues Mindset für neue Märkte 

Nicht nur Bosch, sondern viele der erfolgreichsten Unternehmen sind in ihrer ganzen Organisation und Zusammenarbeit agil. Von Spotify über Google bis hin zur ING Bank, sie alle haben sich für agile Modelle entschieden. Warum haben sie das getan? Weil wir in einer Welt angekommen sind, die von Unsicherheit und schnellen Veränderungen geprägt ist. VUCA nennt sich das und steht für volatilityuncertaintycomplexity und ambiguity. Auf Deutsch: Volatilität oder Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Märkte verändern sich rasant und auch Kundenanforderungen sind morgen schon wieder andere als heute. Unternehmen müssen sich daher ständig neu erfinden und auf Veränderungen reagieren können. Produktentwicklung wird damit schneller und Time-to-Market ist entscheidend. Auch am Spargel-Beispiel kann das gut verdeutlicht werden: Hätte sich die Produktentwicklung länger hingezogen, wäre die Spargelsaison ja schon längst wieder vorüber. Alte, langwierige Prozesse und Projekt-Planungen reichen nicht mehr aus. Unternehmen setzen daher immer mehr auf Reaktionsfähigkeit und Flexibilität. Nur so bleiben sie wettbewerbsfähig. Das macht agiler werden zu einer Notwendigkeit.  

Wir brauchen keine Gedankensilos  

Agil werden bedeutet, Prozesse vollständig neu zu denken und nach neuen Wegen und Ansätzen zu suchen. Gedankensilos müssen aufgelöst werden, denn sie erschweren das Finden von Lösungen und Innovationen. Damit brechen Unternehmen aus gefestigten Komfortzonen heraus, was aber auch heißt, an gemeinsamen Werten zu arbeiten.  

Gemeinsame Werte im agilen Sinne wurden konkret im Agilen Manifest festgehalten:  

Individuals and interactions over processes and tools 

Working software over comprehensive documentation 

Customer collaboration over contract negotiation 

Responding to change over following a plan 

Diese Werte machen den Kern von Agilität aus: Menschen stehen über Prozessen. Funktionstüchtige Produkte und Ergebnisse sind wichtiger als deren Dokumentation. Zusammenarbeit steht über Vertragsverhandlungen. Und das Reagieren auf Veränderungen ist wichtiger, als sich an den ausgearbeiteten Plan zu halten, der schon längst seine Aktualität verloren hat. Verinnerlichen Unternehmen diese Werte, ergeben sich viele Vorteile.  

Agil arbeiten

Kundenzentriertheit ermöglichen  

Unternehmen beschäftigen sich zum Beispiel täglich damit, den bestmöglichen Nutzen für Kunden zu schaffen. So muss es heute auch sein. Denn eine positive Nutzererfahrung entscheidet über Erfolg von Unternehmen. Agilität sorgt dafür, in Echtzeit auf neue Kundenanforderungen reagieren zu können. Durch enge Zusammenarbeit können Bedenken und Anforderungen verstanden werden, sodass erfolgreiche Ergebnisse entstehen. Am Kunden vorbei entwickeln ist dann passé. Auch im B2B-Umfeld, gerade zwischen Unternehmen und Agenturen, ist das wichtig. Denn nicht selten rückt durch den Fokus auf den Endkunden eines Unternehmens die Customer Experience des Unternehmens selbst in den Hintergrund. Agile Zusammenarbeit, aufbauend auf gemeinsam verstandenen Werten, bietet die Möglichkeit, die Zusammenarbeit partnerschaftlich auf Augenhöhe zu gestalten. Das schafft vertrauensvolle Kundenbeziehungen.  

Unnötiges Risiko reduzieren 

Durch solche Kundenbeziehungen kann Risiko abgebaut werden. Agilität ist ein Katalysator für kontinuierliche Verbesserungen und schafft Ergebnisse, die zählen. Für erfolgreiche Produkte kommt es nicht mehr nur auf hohe Qualität und niedrige Kosten an, sondern vielmehr auch auf Geschwindigkeit und User Experience. Traditionelle Wasserfall-Projekte können das nicht mehr bieten. Sie erhöhen das Risiko, irrelevant zu werden und sind dazu unkalkulierbar. Flexibilität und Transparenz, wie sie durch agile Modelle ermöglicht wird, verhindert das. Dazu gehört auch, dass agile Teams tagtäglich in engem Austausch mit Kunden und anderen Stakeholdern stehen und sich potenzielle Herausforderungen früh abzeichnen. Es minimiert das Risiko, am Ende eines Projektes vor einem bösen Erwachen zu stehen.  

Stolz und Begeisterung für Ergebnisse schaffen 

Dass auch ein Wasserfall-Projekt bei bestimmten Voraussetzungen gelingen kann, soll hier nicht in Frage stehen. Jedoch wird das immer seltener, und die Zufriedenheitsraten sind sehr gering. Denn viel zu häufig stimmen Planung und Budgetierung kaum mit der Realität überein. Agiler sein gibt Teams wieder die Möglichkeit, Verantwortung in die Hand zu nehmen und zu reagieren. Ihnen wird nicht mehr die Kompetenz abgesprochen, selbst mit Herz und Verstand gute Entscheidungen treffen zu können. Viele kleine Meilensteine, die Teams auch einhalten können, bringen die entscheidende Motivation und Commitment. 

Menschliche Bedürfnisse zentrieren 

Natürlich versprechen agile Modelle betriebswirtschaftliche Ergebnisse wie schnellere Time-to-Market und Wettbewerbsfähigkeit. Doch bei einem agilen Mindset geht es noch viel stärker um Menschen, Bedürfnisse und Motivatoren. Es kann heute nicht mehr gang und gäbe sein, dass in Silos aufgrund eines veralteten Plans an überholten Features geschraubt wird, über die erst zu spät gesprochen wird. Dann entsteht Unzufriedenheit und vor allem Irrelevanz, denn es wurde auf keine Bedürfnisse Rücksicht genommen. Agiles Arbeiten ermöglicht es Unternehmen sowie Kunden letztendlich gemeinsam wertschöpfend zu arbeiten und erfolgreich zu sein. Auch bei Bosch standen menschliche Bedürfnisse im Vordergrund. Das Ergebnis waren zufriedene Produktentwickler sowie glückliche Spargel-Anbauer, die Spargel nun effektiv und zum richtigen Zeitpunkt ernten können.