Von brandgefährlichen Prozessen und unnötigen Projektleichen

kernpunkt Relaunch

Von brandgefährlichen Prozessen und unnötigen Projektleichen

kernpunkt Relaunch

Stell dir vor, es brennt! Eine kleine Zündflamme in der Mitte des Projektraumes breitet sich langsam aus. Alle Beteiligten sehen das Flämmchen, das gierig nach mehr Material sucht, um sich langsam auszubreiten und gemeinen Schaden anzurichten.

Tatsächlich ein alltägliches Szenario in unserem Projektgeschäft. Wir arbeiten nebenberuflich eigentlich alle als Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen. Mich erreichen regelmäßig Anrufe von Kunden oder Kollegen, dass es brennt, dass sich das Projekt schrecklich entwickeln wird, dass wir SOFORT die aktuelle Sprintplanung erweitern oder umschmeißen und diesen Notfall mit einplanen müssen.

Mit Blaulicht zum Projekt

Nun schalten wir alle sofort das Blaulicht an und eilen mit viel Löschwasser zum Ort des Geschehens. Die Kollegen und ich sind bereit, sofort zu handeln und die projektrettenden Maßnahmen unverzüglich zu beginnen. Mutig und ambitioniert betreten wir den Raum, in dem so viele Menschen, Dienstleister und Kunden, arbeiten. Es qualmt, wir sehen die Ursache des Problems, den Beginn allen Übels und wollen hineilen, um es zu eliminieren.

Doch halt! Hier geht es nicht weiter. Denn in diesem Raum gelten Regeln. Wer reinkommen will muss sich ausweisen, braucht einen Nutzernamen und ein Passwort. Woher wir das bekommen? Wir müssen es beantragen, ein Ticket für diesen Antrag einstellen. Die Flamme lodert weiter auf, aber wir holen uns den offiziellen Zugang, nachdem wir den zuständigen Ansprechpartner recherchiert haben. Jetzt aber volle Kraft voraus – Zugang verweigert. Keine Freigabe. Irgendetwas läuft da gerade im System schief. Dem Feuer ist das egal, es lodert fleißig vor sich hin und fordert erste Opfer. 

Prozesse sind wichtig, aber nicht das Wichtigste

Damit die Zusammenarbeit zwischen den am Projekt beteiligten Personen funktionieren kann, brauchen sie Raum und Regeln, um ein Thema möglichst zielgerichtet voranzutreiben. Werden Raum und Regeln jedoch zu eng, ist die Bewegungs- und somit Handlungsfreiheit eingeschränkt. Reaktionszeiten werden künstlich verlängert, so dass aus einer kleinen Flamme ein flächendeckender Brand werden kann. Schlimmstenfalls kannst Du Dein Projekt begraben.

Der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Projekts ist der Mensch. Ich erlebe es immer wieder, dass Projekte mit viel Freude und Einsatzbereitschaft bearbeitet werden, irgendwann jedoch durch starre interne Prozesse extrem behindert und verzögert werden. Prozesse sind gut und wichtig, sie sorgen sozusagen für Recht und Ordnung in einem Projekt. Aber werden sie zu rigide und kleinteilig geplant, verursachen sie Stagnation, manchmal Chaos. Der Mensch wird handlungsunfähig.

Einfach locker bleiben

Mein Appell an Dein Projekt lautet nun: Lasse mehr Spontanität zu. Gestalte Deine Prozesse fallbezogen offener und traue Dich, die Zugangsbeschränkungen für Deinen Projektraum zu lockern. Sorge dafür, dass die Rahmenbedingungen für Deine Projektarbeit für unterschiedliche Szenarien modellierbar sind. So erfährst Du nicht nur im Notfall wertvolle Hilfe sondern bleibst stets offen für neue spannende Möglichkeiten und erhältst oftmals sogar schnellere Ergebnisse. Probiere es einfach einmal aus!