Was ist Dir Deine Vision wert?

Agil Budget

Was ist Dir Deine Vision wert?

Agil Budget

Wir saßen bei kernpunkt zum Thema “Budgets im agilen Kontext” zusammen. Wie einigt man sich im Vorhinein über Budget und Kosten beim agilen Arbeiten? An der Diskussion haben sich neben Kollegen aus dem Agenturgeschäft auch Unternehmer beteiligt. Es war ein spannender Abend mit einem Ergebnis, das gar nicht so mathematisch ist, wie vorher vielleicht erhofft.

Projekt vs. Produkt

In unserer Diskussionsrunde wurde noch mal deutlich, wie schwammig die Thematik ist. Was ist eigentlich agil? Agil zu arbeiten bedeutet für jeden etwas ganz Unterschiedliches. Ein Beispiel: Ein Unternehmen positioniert sich als agile Organisation. Das bedeutet noch gar nicht, dass es ein agiles Framework wie SCRUM für sein Projektmanagement nutzt. Oder “Projektmanagement” – hier stehen wir vor der nächsten Unstimmigkeit: Im Sprachgebrauch reden wir oft von Projekten, auch wenn wir eigentlich Produkte meinen. Denn Projekte enden und haben meistens ein festes Budget. Produkte enden nicht. Allein durch unseren Sprachgebrauch schüren wir Erwartungen, ohne es zu wissen.

Jeder berechnet doch

Nachdem wir uns in der Runde über den Sprachgebrauch einig wurden, kamen wir zu unserem ersten Learning. Es stellte sich heraus, dass jeder budgetiert und berechnet, es zumindest versucht. Einige verlassen sich auf das Bauchgefühl und Erfahrungen, andere wiederum haben tatsächlich über einen langen Zeitraum beobachtet und darauf aufbauend Voraussagen getroffen. Mögliche Kosten werden dann oft in einer potenziellen Spanne angegeben. Dies ließ uns noch hoffen, am Ende des Abends die Antwort auf die Budgetfrage zu finden.

Alles nur Annahmen

Doch die mathematische Antwort gibt es einfach nicht. In der Theorie funktioniert das Gesetz der großen Zahlen und man kann stochastisch Werte ermitteln. In der Praxis finden wir aber komplexe Umgebungen vor, in denen nur Annahmen getroffen werden können, die in den Sprints überprüft und gegebenenfalls immer wieder angepasst werden. Das hat auch damit zu tun, dass bei komplexen Vorhaben keine Aufgabe einer anderen gleicht. Wir sind uns einig: Vorhersagen, die auf Annahmen getroffen werden, können nicht belastbar sein, und die Rückschau in die Vergangenheit kann auch keine sichere Prognose für die Zukunft sein.

Verständnis schaffen

Warum gefühlte Sicherheit geben, die es de facto nicht gibt – und auch noch nie gegeben hat. Alle Teilnehmer fanden vielmehr, dass insgesamt intensiver über Produktvisionen gesprochen, nach Business Value priorisiert und besseres Verständnis geschaffen werden muss.

Ganz konkret:

Verständnis für agiles Arbeiten muss geschaffen werden.

Es wurde in der Runde beispielsweise deutlich bejaht: Kleinere, wenig komplexe, aber vielleicht trotzdem komplizierte Projekte können heute immer noch nach Wasserfall organisiert werden. Bei jedem Vorhaben stellt sich somit die Frage, welches Framework das Richtige ist. SCRUM oder andere agile Frameworks sind dabei vor allem für komplexe Digitalisierungsinitiativen geeignet, bei denen Business Value und Differenzierbarkeit steigt. Bei diesen ist der Schaffungsprozess meist weit komplexer als das fertige Produkt. Steigt die Komplexität, steigt aber auch die Ungewissheit und es können eben nur Annahmen getroffen werden.

Budgetfragen müssen abseits von kleinen Aufgabenpaketen und Detaildiskussionen angegangen werden.

Nicht nur, weil es sich sowieso nur um Annahmen handelt. Oft werden auch noch die falschen Fragen gestellt. Etwa, wenn in der SCRUM-Welt zwei Teams anhand der Storypoint-Anzahl verglichen werden (einfach nicht möglich). Oder, wenn in einem Team kritisiert wird, dass im Sprint vorher doch mehr Storypoints abgearbeitet würden (auch nicht aussagekräftig). Bei Budgetfragen muss also die Roadmap-Ebene betrachtet werden, damit über Mehrwert und Business Value diskutiert wird, anstatt über Features. 

Was ist ein erfolgreiches Produkt wert?

Unternehmen sollten sich somit eher fragen: Was ist ihnen ihre Idee wert? Welchen Nutzen können sie schaffen und was sind sie bereit, dafür auszugeben. So sollten sie bei komplexen Vorhaben anstatt eines Festpreises lieber Grenzen und einen Budgetrahmen definieren, der ihnen – für ihren definierten Rahmen – das Bestmögliche mit dem höchsten Business Value bietet. Der Wert einzelner Tasks muss dazu immer gemeinsam mit dem Produktteam priorisiert werden. Außerdem hilft es, Roadmaps gemeinsam zu erarbeiten, um das Ungewisse etwas greifbarer zu machen. Das schafft Verständnis und Vertrauen.