Von brandgefährlichen Prozessen und unnötigen Projektleichen

31. Oktober 2018
327 Views
Comments are off for this post

Stellen Sie sich vor, es brennt! Eine kleine Zündflamme in der Mitte des Projektraumes breitet sich langsam aus. Alle Beteiligten sehen das Flämmchen, das gierig nach mehr Material sucht, um sich langsam auszubreiten und gemeinen Schaden anzurichten.

Tatsächlich ein alltägliches Szenario in unserem Projektgeschäft. Wir arbeiten nebenberuflich eigentlich alle als Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen. Mich erreichen regelmäßig Anrufe von Kunden oder Kollegen, dass es brennt, dass sich das Projekt schrecklich entwickeln wird, dass wir SOFORT die aktuelle Sprintplanung erweitern oder umschmeißen und diesen Notfall mit einplanen müssen.

Mit Blaulicht zum Projekt

Nun schalten wir alle sofort das Blaulicht an und eilen mit viel Löschwasser zum Ort des Geschehens. Die Kollegen und ich sind bereit, sofort zu handeln und die projektrettenden Maßnahmen unverzüglich zu beginnen. Mutig und ambitioniert betreten wir den Raum, in dem so viele Menschen, Dienstleister und Kunden, arbeiten. Es qualmt, wir sehen die Ursache des Problems, den Beginn allen Übels und wollen hineilen, um es zu eliminieren.

Doch halt! Hier geht es nicht weiter. Denn in diesem Raum gelten Regeln. Wer reinkommen will muss sich ausweisen, braucht einen Nutzernamen und ein Passwort. Woher wir das bekommen? Wir müssen es beantragen, ein Ticket für diesen Antrag einstellen. Die Flamme lodert weiter auf, aber wir holen uns den offiziellen Zugang, nachdem wir den zuständigen Ansprechpartner recherchiert haben. Jetzt aber volle Kraft voraus – Zugang verweigert. Keine Freigabe. Irgendetwas läuft da gerade im System schief. Dem Feuer ist das egal, es lodert fleißig vor sich hin und fordert erste Opfer.

Prozesse sind wichtig, aber nicht das Wichtigste

Damit die Zusammenarbeit zwischen den am Projekt beteiligten Personen funktionieren kann, brauchen sie Raum und Regeln, um ein Thema möglichst zielgerichtet voranzutreiben. Werden Raum und Regeln jedoch zu eng, ist die Bewegungs- und somit Handlungsfreiheit eingeschränkt. Reaktionszeiten werden künstlich verlängert, so dass aus einer kleinen Flamme ein flächendeckender Brand werden kann. Schlimmstenfalls können Sie Ihr Projekt begraben.

Der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Projekts ist der Mensch. Ich erlebe es immer wieder, dass Projekte mit viel Freude und Einsatzbereitschaft bearbeitet werden, irgendwann jedoch durch starre interne Prozesse extrem behindert und verzögert werden. Prozesse sind gut und wichtig, sie sorgen sozusagen für Recht und Ordnung in einem Projekt. Aber werden sie zu rigide und kleinteilig geplant, verursachen sie Stagnation, manchmal Chaos. Der Mensch wird handlungsunfähig.

Einfach locker bleiben

Mein Appell an Ihr Projekt lautet nun: Lassen Sie mehr Spontanität zu. Gestalten Sie ihre Prozesse fallbezogen offener und trauen Sie sich, die Zugangsbeschränkungen für Ihren Projektraum zu lockern. Sorgen Sie dafür, dass die Rahmenbedingungen für Ihre Projektarbeit für unterschiedliche Szenarien modellierbar sind. So erfahren Sie nicht nur im Notfall wertvolle Hilfe sondern bleiben stets offen für neue spannende Möglichkeiten und erhalten oftmals sogar schnellere Ergebnisse. Probieren Sie es einfach einmal aus.

Autorin: Marie Growe

marie growe

Marie Growe ist studierte Ökonomin und Unternehmensberaterin – und ein echter Digital Native. Mit diesem Hintergrund bringt sie Fachwissen und Authentizität in digitale Transformationsprozesse ein. Sie ist Expertin für produktive und kreative Workshops und beschäftigt sich mit den Schwerpunktthemen digitale Strategieentwicklung und digitale Arbeitsprozesse.

Kontakt zur Autorin? Gerne!
m.growe@kernpunkt.de