Warum Sie internes Community-Management betreiben, es aber nicht so nennen sollten

29. September 2016
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Dieser Beitrag erschien am 21.09.2016 zuerst auf social-intranet.net.

Ein intensiverer Austausch unter den Mitarbeitern ist Ziel eines jeden Social Intranets oder Digital Workplaces. Die Vorteilsversprechen dieser verbesserten Kommunikation sind vielschichtig und prinzipiell auch gerechtfertigt. Ebenso bekannt wie die Vorteile ist jedoch auch die Erkenntnis, dass Zusammenarbeit und Austausch nicht von alleine stattfinden, nur weil eine Plattform mit entsprechenden Funktionen bereitgestellt wird. 

Zwar gibt es meist Mitarbeitergruppen, die aus eigenem Antrieb oder aufgrund extremen Bedarfs solche sozialen Kommunikations- und Zusammenarbeitsfunktionen von sich aus nutzen. Dies führt in der Regel aber noch nicht zu einer unternehmensweiten, zielführenden Nutzung. Damit die Mitarbeiter kontinuierlich ihr Wissen teilen und dauerhaft durch Arbeiten in vernetzten Communities effizienter werden, sind begleitende Kommunikationsmaßnahmen, vor allem aber entsprechendes „Community Management“ notwendig.

Ein unpopulärer Begriff

Trotz dieser eigentlich unbestrittenen Lage ist in Unternehmen jedoch der Begriff „Community Management“ oder gar die Rollenbezeichnung „Community Manager“ oft negativ belegt oder zumindest unpopulär. Vermutlich liegt dies daran, dass virtuelle oder digitale „Communities“ unter dieser Bezeichnung vielen Menschen als Phänomen in einem privaten und nicht in einem Unternehmenskontext bekannt geworden sind (z.B. in der Computerspielewelt, in thematischen Gruppen wie Koch- oder Fußball-Communities, oder bei privat genutzten, sozialen Netzwerken wie Facebook). Verstärkt werden mag dieser Eindruck noch von der Tatsache, dass auch die ursprüngliche Verwendung des Begriffs in Unternehmen, in so genannten „Communities of Practice“, in vielen Fällen mit gescheiterten Versuchen aus der Ära expliziter Wissensmanagement-Projekte verbunden wird. Zudem wird mit „Community Management“ in Unternehmen mittlerweile häufig ausschließlich die Betreuung der externen Social-Media-Auftritte auf Twitter und Facebook verknüpft, bei der meist junge Kollegen „nur ein paar Werbe-Posts publizieren und kurze Nachrichten hin und herschicken“.

Entsprechend werden Tätigkeiten, die mit dem Begriff „Community Management“ assoziiert werden, im Unternehmenskontext oft als nicht besonders wertig angesehen. Und dies interessanterweise sowohl beim Management, als auch bei Mitarbeitern, die potenziell interne „Community Management“-Aufgaben übernehmen sollen.

Community Management ist weit verbreitet

Diese Haltung lässt außer Acht, dass die Tätigkeiten, die zum internen Community-Management gehören, sehr wohl einen großen Mehrwert erzeugen und in vielen Unternehmen bereits von diversen Mitarbeitern ausgeführt werden, nur eben nicht unter dieser Bezeichnung! Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, und so steht z.B. die Robert Bosch GmbH mit ihrer explizit so genannten Rolle des internen Community-Managers (siehe z.B. hier) mit der Bezeichnung noch recht alleine da, obwohl andere Unternehmen schon dieselben Dinge mit anderen Bezeichnungen tun.

Sieht man sich einmal genauer die Tätigkeiten und notwendigen Fähigkeiten an, die dem Community Management zugerechnet werden können, stellt man fest, dass sie vielfältiger sind als landläufig angenommen und alle der folgenden Punkte umfassen (siehe z.B. auch in der BVCM-Studie zum Status von Community-Management oder beim Community Skills Framework des Community Roundtable):

Förderung von Interaktion und Mitgliederbindung: Tätigkeiten wie Moderieren, in Dialogen antworten und die aktive Beteiligung fördern.
Content-Tätigkeiten: Recherche, Teilen und die eigentliche Erstellung von Texten, Grafiken und Videos, aber z.B. auch Redaktionsplanung
Strategische und organisatorische Tätigkeiten: Strategieentwicklung, Monitoring & Analyse, Guideline-Entwicklung, Schulen & Beraten von Kollegen, Programm- und Budgetmanagement u.a.
Technische Tätigkeiten: Recherchieren, Empfehlen, Pflegen, Optimieren und Konfigurieren von Tools, Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung und z.T. sogar Programmier-Tätigkeiten

Die Vorteile sind sichtbar

Überall dort, wo Mitarbeiter bewusst oder unbewusst die genannten Tätigkeiten in internen Communities gut ausführen, zeigt sich meist auch schnell der Erfolg. In vielen Unternehmen, die intern Ansätze des communitybasierten Arbeitens verfolgen – zum Beispiel mit virtuellen Workspaces für Projekte und Themen – gibt es in der Regel einige erfolgreiche und lebendige solcher Workspaces, in denen sich Kollegen rege austauschen, Inhalte und Beiträge veröffentlichen oder gar gemeinsam erarbeiten. Genau in diesen Communities stehen dann eine oder mehrere Personen dahinter, die das Ganze treiben, anregen, fördern, Beiträge liefern, Funktionalitäten ausbauen, für gute Usability sorgen usw. – die eben internes Community Management betreiben. Und genau dort entstehen dann auch Mehrwerte für das Unternehmen, da Wissen geteilt und geschaffen, die Einstellung und Kultur der Mitarbeiter verbessert wird und der Einzelne seine Arbeit besser und effizienter gestalten kann.

Es lohnt sich also, Mitarbeitern offiziell Zeit und entsprechende Bildungsmaßnahmen für internes Community-Management einzuräumen. Vielleicht starten Sie das ganze einfach nur unter einer anderen Bezeichnung, um den oben genannten Vorbehalten aus dem Weg zu gehen. In jedem Fall ist internes Community-Management eine ideale, wenn nicht gar notwendige Maßnahme, um die sinnvolle Nutzung von Communities oder Workspaces in einem Digital Workplace voranzutreiben und im Unternehmen zu verankern.

Autor: Marian Möhren

Marian Möhren

Marian Möhren leitet bei kernpunkt den Geschäftsbereich „Digital Workplaces“. Er ist Spezialist für Intranet-, Collaboration- und Digital-Workplace-Projekte und betreut dazu nationale und internationale Kunden.