Wie gelingt die Digitalisierung? Zehn Thesen vom Digitalexperten Jan Eickmann

1. August 2016
896 Views
Comments are off for this post

1. Keine Digitalisierung ohne Strategie

Digitalisierung hat viel mit Experimentieren zu tun. Keiner kann genau sagen, was funktioniert, was nicht. Gerade deswegen braucht es Leitlinien und klare Ziele. Nur so kann Experimentieren zu sinnvollen Lösungen führen, die die Stärken des Unternehmens nutzen und erfolgreich am Markt bestehen.

2. Keine Strategie ohne Commitment der Geschäftsführung

Digitalisierung bedeutet Veränderung. Abteilungsgrenzen müssen überwunden werden, vielleicht Altbewährtes in Frage gestellt oder aufgegeben werden. Sie benötigt Ressourcen und Entscheidungsbefugnisse. Und das jeden Tag aufs Neue. Die zugehörige Strategie muss als Leitlinie für das gesamte Unternehmen fungieren. Damit diese Voraussetzungen geschaffen werden können und Bestand haben, ist eine dauerhafte Förderung und Involvement durch die Geschäftsführung notwendig. Digitalisierung ist kein Projekt, das sich einfach delegieren lässt.

3. Keine Umsetzung der Strategie ohne klare Verantwortlichkeit

Zu einem Konsens über eine sinnvolle und stimmige Strategie kommen Verantwortliche schnell. Dass sie umgesetzt werden soll, ist Beteiligten ebenso einleuchtend. Solange jedoch nicht klar definiert ist, wessen Aufgabe dies ist, geht die Umsetzung schnell im Tagesgeschäft unter. Auch die Steuerung von Digitalisierungsinitiativen sollte in Form einer Governance-Struktur definiert sein. Wonach wird bewertet, ob mein Pilot weiter ausgebaut werden soll oder verworfen wird? Wie ist sichergestellt, dass gute Ideen auch ausprobiert werden und nicht nur Ideen bleiben?

4. Kleine Schritte führen schneller ans Ziel

Digitalisierung bedeutet auch unter Unsicherheit agieren. Rahmenbedingungen ändern sich, die meisten Initiativen stellen Prototypen dar, zu denen keinerlei Erfahrungsschatz existiert. Weder im Unternehmen noch außerhalb. Um von dieser Unsicherheit nicht gelähmt zu sein und um auf Änderungen reagieren zu können, sollte eine Umsetzung immer in vielen kleinen Schritten erfolgen. Diese sind ohne großen Ressourceneinsatz umzusetzen, sind schnell am Markt und können schnell Erkenntnisse liefern. Darauf bauen folgende Schritte auf. So wird Funktionierendes weiterentwickelt und nicht Funktionierendes kann angepasst werden.

5. Nicht jeder Trend ist es wert, ihm hinterher zu laufen

Die Möglichkeiten, im Rahmen der Digitalisierung aktiv zu werden, sind endlos. Regelmäßig kommen neue Technologien dazu, neue Ideen und Case Studies werden veröffentlicht. Doch nicht alles macht für ein Unternehmen Sinn. Ausgangspunkt für eine Bewertung sollte immer der eigene Kundenstamm sowie die eigenen Stärken sein: Was bietet einen Mehrwert für unsere Kunden? Was spielt unsere eigenen Stärken optimal aus? Und weniger: Welcher Trend wird gerade besonders gehyped?

6. Digitalisierung muss dem Kunden Mehrwerte bieten

Vor lauter Begeisterung für das Thema Digitalisierung sollte der Grund für die Begeisterung nicht vergessen werden. Digitalisierung bietet die Möglichkeit, Kunden besseren Service, bessere Produkte und ein besseres Nutzungserlebnis zu bieten (und damit natürlich als Unternehmen eine höhere Kundenbindung, eine größere Differenzierung oder neue Marktsegmente zu gewinnen). Digitalisierung funktioniert nur bei Akzeptanz durch den Kunden, d.h. den Interaktionspartner. Und dafür muss diese entsprechende Mehrwerte für alle Beteiligten bieten. Wer Digitalisierung nur als reines Werkzeug zur Kosteneinsparung sieht, wird wenig Akzeptanz bei den späteren Nutzern finden und damit auch die erhofften Vorteile nur selten realisieren.

7. Ohne Scheitern keine Erfolge

Im Rahmen der Digitalisierung weiß keiner, welches Vorgehen und welche Initiativen erfolgreich sein werden. Welche Entscheidungen die zwangsweise richtigen sind. Vielmehr muss das Vorgehen von einem konsequenten Ausprobieren geprägt sein. Beteiligte müssen die Möglichkeit haben, ihre Ideen und Initiativen zu testen, ohne harsche Konsequenzen bei Fehlentwicklungen befürchten zu müssen. Fehlschläge sind als Lerneffekt und nicht als Scheitern zu werten. Diese Haltung ist auch in der Unternehmenskultur zu verankern. Nur so können sich Ideen auch entwickeln.

8. Digitalisierung ist kein IT-Projekt

Die Gedankenkette ist schnell verfolgt: Digitalisierung hat mit Informationstechnologie zu tun. Also ist es ein Thema für die IT-Abteilung. Diese Schlussfolgerung könnte falscher nicht sein. Digitalisierung ist in erster Linie eine Bedienung von Kundenbedürfnissen und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auf Basis dieser Bedürfnisse. Damit kommt kundennahen Bereichen eine sehr hohe Bedeutung zu. Gleichzeitig erfordern neue Geschäftsmodelle oder Services häufig ein Zusammenspiel des ganzen Unternehmens, um sie anbieten zu können. Die Einführung von z.B. kundenindividuellen Produktkonfigurationen benötigt Veränderungen in Vertrieb, Produktmanagement, Produktion, Logistik und auch der IT. D.h., die Verantwortung für eine erfolgreiche Digitalisierung muss unternehmensweit verteilt sein und auf oberster Ebene koordiniert werden. Die Umsetzung und Bereitstellung notwendiger informationstechnischer Systeme und Infrastruktur von Digitalisierungsinitiativen ist dann ggf. wieder ein IT-Projekt. Die Digitalisierung selbst aber nicht.

9. Digitalisierung wird Arbeitsplätze verändern

„Dann führen wir jetzt die Digitalisierung ein, und sonst bleibt alles beim Alten“. Diese Vorstellung ist fern der Realität. Vielmehr verändert die erfolgreiche Digitalisierung Arbeitsplätze massiv. Neue Kompetenzen sind gefordert und vielleicht lieb gewonnene Arbeitsweisen und Prozesse müssen über Bord geworfen werden. Manche manuellen Tätigkeiten werden überflüssig, neue Stellen und Verantwortungsbereiche entwickeln sich. Damit die Digitalisierung erfolgreich ist, ist es notwendig, das gesamte Unternehmen auf diese Veränderungen einzuschwören und eine Akzeptanz für Veränderung zu schaffen. Nur wer diese Veränderungen auch mitgeht, kann erfolgreich sein.

10. Es geht auch ohne Digitalisierung, aber…

…nicht mehr im alten Umfang. Wer bereit ist, sich auf seine nicht-digitalen Kernkompetenzen zu fokussieren, kann dies sicherlich noch für eine recht lange Zeit tun. Vor allem, wenn man in der Lage ist, diese ausreichend gegen Nachahmer zu schützen (etwa durch Wissensvorsprung etc.). Was verloren geht, sind jedoch Umsätze und Margen aus umgebenden Angeboten. Der begleitende Service wird demnächst gegebenenfalls durch unabhängige Service-Plattformen abgebildet. Ein Ersatzteilgeschäft wird über Handelsmarktplätze, auf denen Sie selbst nicht vertreten sind, abgebildet. Und es bleibt die Frage, wie der eigene Markenwert, der die Kernkompetenzen nach außen vermittelt, dauerhaft ohne digitales Engagement vermittelt werden kann.

Alles in allem ist es eine Diskussion über Zeiträume. Lässt sich die nicht-digitale Kernkompetenz ohne digitale Unterstützung dauerhaft am Markt platzieren? Wie lange dauert es, bis ein digitalisierter Wettbewerber in der Lage ist, diese ebenfalls anzubieten. Je nach Branche kann man hier über Zeiträume zwischen fünf und 100 Jahren diskutieren.

Als Geschäftsbereichsleiter Strategieberatung begleitet Jan Eickmann unsere Kunden bei allen Fragen der digitalen Transformation.

Der Dipl. Wirtschaftsinformatiker und CEMS Master in International Management (Köln/Paris) leitete zuvor acht Jahre lang die Abteilung Konzeption und Beratung bei kernpunkt und war u.a. für die Konzeption Internationaler Webseiten, Prozessportale oder Mitarbeiterplattformen verantwortlich.

Jan Eickmann

Kostenfreies Whitepaper

Digitale Transformation in der Bauelemente-Branche

Angst oder Chance? – Warum eine Bedrohungsdiskussion wenig hilfreich ist

Ihre Kontaktdaten:

Welche Informationen interessieren Sie?