iBeacons: Lokales Marketingwunder aus dem Hause Apple?

9. Oktober 2014
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Auf der unternehmenseigenen Entwickler-Konferenz WWDC im Jahr 2013 hatte Apple eine neue Technik vorgestellt: Die sogenannten iBeacons. Die wörtliche Übersetzung Funkfeuer ist der Realität gar nicht so fern und die Einsatzmöglichkeiten sind vielversprechend bis revolutionär. Bald könnten die iBeacons in unserem Alltag ankommen.

Nach der Präsentation im letzten Jahr war es eine Zeit lang ruhig geworden um das kleine Technikwunder der Apple iBeacons. Das lag nicht zuletzt an der mangelnden Nutzbarkeit, da das System zunächst nur auf dem Papier existierte. Das hat sich inzwischen geändert. In Apple Stores in den USA erhalten Kunden per iBeacons Informationen zu Apple-Produkten auf ihr Smartphone und Besucher von Football-Spielen in der NFL erfahren mit Hilfe der kleinen Gadgets, wie sie zu ihrem Platz finden oder welche Schlange an den Kassenhäuschen die kürzeste ist.

Besser als NFC dank Bluetooth Low Energy

Diese Technik erinnert Sie an irgendetwas? Richtig, das Prinzip selbst ist so neu nicht. Near Field Communication, kurz NFC, ist ein Übertragungsstandard mit ähnlichen Funktionalitäten und seit 2011 bereits auf vielen mobilen Endgeräten im Einsatz. Allerdings ist die Liste der Vorteile der iBeacons gegenüber NFC lang: iBeacons verfügen mit bis zu 30 Metern gegenüber rund 20 Zentimetern bei NFC über eine wesentlich größere Reichweite, kommen dementsprechend mit deutlich weniger Geräten zur Abdeckung von Einsatzgebieten aus und sind bei der Einführung um den Faktor 20 kostengünstiger. Das liegt vor allem daran, dass Apples iBeacons auf BLE setzen, die stromsparende Bluetooth-Variante mit dem passenden Namen Bluetooth Low Energy. Dass BLE ein verbreiteter Standard ist, bringt zudem den Pluspunkt mit sich, dass auch Android-, Windows- oder Blackberry-Geräte problemlos mit iBeacons kommunizieren können.

Kein Wolf im Schafspelz

In den Betriebssystemen Mac OS X Mavericks und iOS ab Version 7 ist die Unterstützung für die iBeacons bereits integriert. In Zeiten von Datenschutzskandalen könnte bei solchen Geräten schnell der Eindruck einer neuen Datenkrake aufkommen, die uns auf Schritt und Tritt verfolgt und unsere Aktivitäten aufzeichnet. Das ist aber nicht der Fall, denn die Sender machen nichts weiter, als Empfängern in ihrer Umgebung mitzuteilen, dass sie da sind. Dazu versenden sie ihre jeweilige einzigartige ID, um sich voneinander abzugrenzen.

Nächstes Level des Location Based Marketing

Was also können die kleinen „Funkfeuer“ mit dem Apfellogo nun konkret leisten? Die möglichen Szenarien für ihren nützlichen Einsatz sind nahezu grenzenlos, zum Beispiel beim Location Based Marketing im stationären Handel. Spaziert der Nutzer an einem Restaurant vorbei, dann kann dieses mit Hilfe eines iBeacon ein spezielles Angebot an sein Smartphone senden. Beim Einkauf im Supermarkt könnte die Bezahlung über iBeacons erfolgen, so wie es heute schon per NFC realisiert wird, und der Einsatz im privaten Umfeld ist ebenso praktikabel: Kommt der Nutzer nach Hause und gelangt somit in die Reichweite seines iBeacons, dann geht automatisch das Licht an.

Endlich komfortabel in Gebäuden navigieren

Eine, wenn nicht sogar die größte Chance für die iBeacons besteht aber in der Indoor Navigation. Da, wo GPS und Mobilfunk oft in die Knie gehen, könnten iBeacons im Zusammenspiel mit den Bewegungssensoren in mobilen Geräten die Lücke schließen. Zum Beispiel können sie Besuchern eines Museums oder von Sehenswürdigkeiten passende Informationen auf ihre mobilen Endgeräte liefern, sobald sie daran vorbeigehen. Klobige Audioguides würden damit der Vergangenheit angehören. Zudem ist eine gezielte Personalisierung denkbar: Mit der Verknüpfung entsprechender Informationen aus sozialen Netzwerken und der Lokalisierung über das iBeacon könnte eine App dem Benutzer mitteilen, wo in dem Museum, das er gerade betreten hat, Werke seines Lieblingskünstlers zu finden sind.

Der Teufel steckt im Erfolg

Selbstverständlich kommen aber auch die iBeacons nicht ohne Kritik aus. In ihrem Fall besteht diese bisher vor allem darin, dass sie so gut funktionieren könnten. Denn wenn immer mehr Händler, Gastronome oder Dienstleister auf Werbebotschaften per iBeacon-App setzen und digital um unsere Aufmerksamkeit buhlen, ist eine Überdrüssigkeit mitsamt Reizüberflutung die logische Folge. Aber für den Fall, dass es wirklich zu viel wird, ist eine Funktion unserer Smartphones und Tablets in der digitalen Zeit noch immer über jeden Zweifel erhaben: Der Ausschaltknopf.

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