Webseiten-Performance in China

16. März 2017
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Langen Ladezeiten mit einem Content Delivery Network Abhilfe schaffen

Chinas Internetarchitektur unterscheidet sich vom Rest der Welt. Als am Ende der Neunzigerjahre das Internet in China ankam, startete das Land „The Great Firewall of China“. Per Gesetz werden alle Anbieter unter staatliche Kontrolle gestellt und der digitale Verkehr wird überwacht. Einige IP-Adressen sind gesperrt, Suchbegriffe werden gefiltert und bestimmte Keywords werden zensiert.

Ausländische Anbieter haben in doppelter Hinsicht das Nachsehen. Durch die Filterung werden sie entweder gar nicht sichtbar oder aber der Datentransfer ist so langsam, dass Suchmaschinen diese Websites schlechter bewerten, weil ihre Ladezeit zu groß ist: Somit sind ausländische Anbieter auch in den Suchmaschinen weniger sichtbar. Findet ein Nutzer dennoch den Weg zu diesen Angeboten, springen Nutzer rasch von diesen Seiten wieder ab, weil auch sie von den Ladezeiten abgeschreckt werden. In Zeiten, da die Geduld beim Warten auf Websites gegen Null tendiert, führt dieser Effekt zu „bounce rates“ von erschreckenden 40%.

Viele ausländische Firmen haben sich daher vom chinesischen Markt zurückgezogen, da sie sich einer Zensur nicht beugen wollen, andere Webseiten sind auch vollständig verboten. Wer dennoch versucht, seine Webangebote nach China zu transportieren, erfährt also eine drastische Verlangsamung des Datenverkehrs, die oft erst bemerkt wird, wenn die Geschäftsführung in China selber erlebt, wie wenig benutzbar die eigene Website, das eigene PIM oder das eigentlich weltweit zur Verfügung stehende Warenwirtschaftssystem ist.

Infrastruktur als Bremse

Neben der „Great Firewall of China“ ist auch die technische Infrastruktur eine mögliche Bremse. Es gibt drei große Internet Service Provider (ISP), die das Netzwerk innerhalb Chinas anführen: China Telecom, China Unicom und China Mobile. Die Grundpfeiler eines „guten“ Internets sind die Verbindungen zwischen verschiedenen Netzwerken. Doch aufgrund einer schlecht vernetzten Struktur zwischen diesen chinesischen Netzwerken kommt es häufig zu Verzögerungen oder Unterbrechungen bei der Übertragung von Daten. Dies führt u.U. sogar zu Verlusten von Datenpaketen. Auch innerhalb zweier Netzwerke des gleichen Providers – z.B. China Telecom in Beijing und China Telecom in Guangzhou – kann die Qualität der Datenübermittlung ganz erheblich schwanken.

Um die Übermittlung seiner Inhalte zu optimieren, ist es daher von großer Bedeutung, geografisch verteilte „Points of Presence“ (PoP), also Zweigstellen von Internet Service Providern (ISP), in ganz China sowie eine Verbindung zu den großen ISPs zu unterhalten. Das geht über Content Delivery Networks (CDN), die Präsenzpunkte am besten dort bedienen, wo es relevant für ein Unternehmen ist.

Aufgrund der Komplexität der chinesischen Infrastruktur reicht es nicht, nur die Anzahl der genutzten Server zu berücksichtigen, um zu ermitteln, wie Internetnutzer und auch die zunehmend größer werdende Basis mobiler Nutzer am besten von außerhalb des Landes mit Inhalten versorgt werden können. Bereits im Vorfeld ist es unerlässlich, eine solide Lösung zu konzipieren, wie die unterschiedlichen Facetten der Website- und Content-Bereitstellung an unterschiedlichen Übergabepunkten in der unmittelbaren Nähe von Ballungszentren zu den Endnutzern optimiert werden. Dies gilt insbesondere bei Internetverbindungen mit längeren Wartezeiten oder zu erwartenden Paketverlusten, die in den terrestrischen und mobilen Netzen Chinas immer wieder auftreten können.

Als Lösung können folgende Ansätze in Betracht kommen:

Hosting der Inhalte auf einem Server in China
ein Content Delivery Network (CDN) in unmittelbarer Nähe zum chinesischen Festland (z.B. in Hongkong, Macau oder Japan)
ein oder mehrere CDN als Präsenzpunkte (Point of Presence, POP) bei den drei großen Internetdienstanbietern Chinas
ein oder mehrere CDN in den bevölkerungsreichsten Städten
ein oder mehrere CDN in den Provinzen mit dem höchsten verfügbaren Einkommen

Es gilt aber, für die Realisierung einige technische Aspekte und bürokratische Besonderheiten zu berücksichtigen.

Was ist technisch bei der Entwicklung der Webseiten zu beachten?

Da Sie innerhalb eines CDN nicht den einen Webserver betreiben, muss gewährleistet sein, dass Seiten- und Server-interne Verknüpfungen auf die richtige Quelle zugreifen. So wie der Nutzer auf den ihm am nächsten gelegenen Server zugreift, muss auch dieser Server die Inhalte korrekt erreichen können. Sind Inhalte nicht erreichbar, wird die Seite nicht korrekt oder nicht mit allen Inhalten dargestellt. Technische Erweiterungen der Website (Schriften, Code-Schnippsel für die Statistik etc.) werden u.U. geblockt und verfehlen somit ihren Zweck.

Ein Content Management System (CMS) wie beispielsweise FirstSpirit bietet grundsätzliche sinnvolle Möglichkeiten. Hier müssen einige wichtige Eckpunkte geklärt werden. Das CMS seinerseits muss dafür sorgen, dass die Inhalte an alle notwendigen Stellen im CDN ausgeliefert werden, damit überall die aktuellsten Daten aufrufbar sind. Gleiches gilt, wenn ein PIM oder ein anderes Datenbanksystem zum Einsatz kommt.

Bereitstellung der Seiten

Für das CMS bedeutet das, dass Elemente wie HTML, CSS, JavaScript u.ä. zentral ausgeliefert werden können. Sie machen i.d.R. den kleineren Teil der Datenmenge aus. Große Mediendateien wie Bilder oder Videos werden auf das CDN verteilt, d.h. sie liegen auch physikalisch näher am Zielland China, damit sie schneller ausgeliefert werden können und nicht zu lange laden.

Über das CMS steuern Sie die Veröffentlichung der Inhalte. Dabei wird im Deployment-Prozess festgelegt, welche Inhalte an welche Stellen geschrieben werden müssen. Da die Dateien innerhalb des CDN zwischengespeichert werden, empfiehlt es sich, Inhalte und Dateien mit einem Time Stamp zu versehen. Dieser ermöglicht einen Abgleich und die Gewähr, dass eventuell bestehende Cache-Speicher umgangen und ausschließlich aktuelle Inhalte geladen werden.

FirstSpirit bietet eine Reihe von Erweiterungen, die einfach zu integrieren sind und das Deployment unterstützen. Hier kann bestimmt werden, zu welchem Zeitpunkt bestimmte Inhalte an einen bestimmten Ort innerhalb des CDN geschrieben werden müssen.

Content Lizenz

Ein CDN in der direkten Nähe zu China bietet zwar einen zeitlichen Vorteil bei der Erreichbarkeit und Sie benötigen keine Content Lizenz, aber die Daten müssen nach wie vor durch die „Great Wall“, die große Firewall. Um in China Inhalte zu veröffentlichen, die auf einem Server in China direkt bereitgestellt werden und nicht durch diese Firewall gefiltert werden, benötigen Sie eine sogenannte „Internet Content Provider-Lizenz“. Um diese zu erhalten, ist eine Niederlassung oder ein Büro in China mit chinesischen Mitarbeitern erforderlich.

Eine Reihe von deutschen und internationalen Agenturen hat sich darauf spezialisiert, ausländischen Kunden beim Eintritt in den digitalen chinesischen Markt zu helfen. Sie beraten bei der Wahl einer technischen Lösung und unterstützen bei der Antragstellung für die notwendigen Lizenzen und Genehmigungen.

Youtube, Google Analytics und Co. - Welche Tools muss ich ersetzen?

Einige technische Probleme werden auf jeden Fall nicht umgangen werden können. Sämtliche Google-Anwendungen können in China nicht zum Einsatz kommen. Die Kommunikation zwischen den Google-Analytics-Codes in Ihrer Website und den entsprechenden Servern wird nicht funktionieren. Ähnliches gilt für Anbieter wie Webtrends oder ComScore. Hier bieten sich Open Source-Lösungen wie Piwik an, die Sie direkt in Ihren Server einbinden.

Youtube-Videos sind von dieser Blockade ebenfalls betroffen und auch Google Web Fonts können nicht eingesetzt werden. Schriften, die Ihrem Corporate Design entsprechen, sollten daher auf Ihren eigenen Servern als lizenzierte Fonts eingebettet sein. Für Videos bietet sich die FirstSpirit-Erweiterung „Moving Image 24“ an. Mit ihr können Sie Videodateien auf dem eigenen Server verwalten und zur Verfügung stellen.

Last but not least, die Google Site Search als Volltextsuche der Website ist ebenfalls nicht möglich, aber aufgrund des Tatsache, dass Google diesen Dienst einstellen wird, ist die Suche nach einer Alternative ohnehin unumgänglich.