Klein starten, statt groß zu scheitern

24. Mai 2017
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Digitalisierung und Unternehmenskultur müssen gemeinsam wachsen

Hat sich ein mittelständisches Unternehmen entschlossen, endlich ein Digitalisierungsprojekt zu starten, kommt es immer wieder vor, dass dieses aus dem Budget- und Zeitrahmen läuft. Und in einigen Fällen erfüllt es am Ende sogar nicht einmal mehr die Nutzeranforderungen. Sind die Gründe dabei wirklich immer technisch/konzeptioneller Natur – oder gibt es vielleicht ganz andere Einflussfaktoren?

Viele mittelständische Unternehmen blicken auf eine lange und stetige Unternehmensentwicklung zurück. Meist von einem Einzelunternehmen gegründet, wurden die eigenen Produkte selbst hergestellt und vertrieben. Lief das Geschäft gut, wurde im Heimatort des Gründers ein größeres Werk errichtet. Und mit stetigem Wachstum wurde aus einem kleinen Betrieb ein internationales Unternehmen mit tausenden Mitarbeitern, riesigen Produktions- und Logistikzentren. Die Zentrale befindet sich oftmals auch heute noch im Gründungsort.

Der Erfolg dieser Unternehmen liegt unter anderem vielleicht genau darin begründet. Sie sind langsam gewachsen, haben sich organisch und behutsam dem Wandel der Zeit angepasst. Prinzip: Klein anfangen, ausprobieren, Fehler zulassen. Nichts überstürzen.

Geht es um Digitalisierungsprojekte, scheinen Unternehmen diese Fähigkeit des behutsamen Wachsens nicht selten zu vergessen. Plötzlich soll alles auf einmal passieren. Umfangreiche Analysen und hunderte Beraterstunden sollen die eine, erfolgreiche Digitalstrategie hervorbringen. Ergebnis sind dann mehr oder weniger große Technologie-Projekte, die am besten zum Festpreis den Sprung in die Digitalisierung leisten sollen. Alles auf einmal, kein Mut zum Ausprobieren, gewünscht ist größtmögliche Sicherheit – in einer sich rasant wandelnden Digitalgesellschaft.

Das ist oft aus mehreren Gründen zum Scheitern verurteilt:

Die Kultur des Unternehmens ist nicht auf Entscheidungen bei großer Unsicherheit ausgelegt
Die internen Prozesse sind nicht für die Durchführung großer, fachübergreifender Digital-Projekte ausgerichtet
Zu hohe, interne Widerstände blockieren den Projektfortschritt
Zu wenig Support von der Führungsebene sorgt für Unsicherheit und fehlenden Entscheidungsmut in den Fachbereichen

Was können Unternehmen aus ihrer eigenen Geschichte lernen?

  • Sich auf die eigene Unternehmensentwicklung zurück besinnen: In kleinen, einfachen Schritten Digitalisierungsthemen und Projekte im Unternehmen streuen.
  • Den Mut haben, auch (oder gerade) bei Digitalisierungsprojekten das Scheitern zuzulassen.

Kleine, erfolgreiche Projekte werden schneller akzeptiert und sorgen so für einen behutsamen Kulturwandel. Eine Unternehmenskultur, die gelernt hat, dass Digtialisierungs-Projekte sukzessive wachsen können und Fehler wichtige Erkenntnisse bringen, ist besser in der Lage, sich auch im digitalen Umfeld erfolgreich weiterzuentwickeln.

Fazit:

Bei Digitalisierungsthemen sollte die Unternehmenskultur als wesentlicher Einflussfaktor für den Erfolg mit einbezogen werden. Lieber klein starten als groß scheitern.

Autor: Christian Wenzel

Christian Wenzel entwickelt seit über 15 Jahren digitale, strategische Lösungen und Konzepte. Bei kernpunkt konzipiert und leitet er umfangreiche Digital-Projekte für mittelständische Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Zudem gründete und etablierte er als Geschäftsbereichsleiter den Kompetenzbereich E-Commerce bei kernpunkt. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen nutzerzentrierte Strategie-Entwicklung, E-Commerce, Business Development, Projektmanagement und Digitale Prozesse.