Was macht eigentlich ein Scrum Master? Ein Interview mit Kate

Scrum Master Interview

Was macht eigentlich ein Scrum Master? Ein Interview mit Kate

Scrum Master Interview

Kate ist seit April 2019 Scrum Master bei kernpunkt. Sie erzählt uns im Interview unter anderem was ein Scrum Master macht und wieso er für das Team und den Kunden so wichtig ist.

Wie würdest Du einen Scrum Master beschreiben?

Wenn ich einen Vergleich anstellen müsste, würde ich meine Rolle als eine Art Erziehungsberechtigten für das Team bezeichnen- zumindest gibt es da viele Parallelen. Als Scrum Master achtest Du darauf, dass Regeln eingehalten werden, damit das Team fokussiert und effizient arbeitet und entwickelst/„erziehst“ es zu eigenständigem Arbeiten. Dabei lässt Du – ähnlich wie ein Elternteil – zu, dass Dein Team auch mal Fehler macht, um aus diesen für die Zukunft zu lernen. Gleichzeitig solltest Du aber auch eine Art Vertrauensperson sein, mit der alle Teammitglieder über Sorgen oder Themen, die sie eventuell nicht im ganzen Team ansprechen wollen, offen und vertrauensvoll reden können. Im Alltag musst Du Dein Ohr überall haben und vor allem die nicht ausgesprochenen Dinge (zwischenmenschliche Schwingungen, Impediments, schwierige Kundensituationen,…) mitbekommen, um diese in Einzelgesprächen oder in Retrospektiven thematisieren zu können. Der Scrum Master agiert laut Framework als Servant Leader. Das bedeutet, er ist nicht die Person, die Dinge klar vorgibt, sondern lediglich Impulse setzt, damit das Team Probleme selber erkennt und angeht. Ich sehe das ein wenig anders… Je nach Reifegrad eines Teams ist in einigen Fällen eine beidhändige Führung kein Rückschritt in „die alte Welt“, sondern ein unterstützendes Begleiten in die neue, agile Welt. Als guter Scrum Master musst Du demnach erkennen, wann es sinnvoll ist, das Team durch laterale Führung zu unterstützen und in welchen Fällen das Team in der Lage ist, ohne Unterstützung mögliche Probleme zu meistern.

Welche Rolle spielt der Scrum Master in agilen Projekten?

Der Scrum Master sollte auf jeden Fall einen Blick dafür haben, welche agile Vorgehensweise sich am besten für das jeweilige Projekt eignet, um Kundenanforderungen effizient und fokussiert bearbeiten zu können. Dabei können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Kennen wir die eingesetzte Technologie?
  • Sind die Kundenanforderungen weitestgehend bekannt oder besteht hier noch Unsicherheit?
  • Wird der Sprint-Umfang regelmäßig während des Sprints durch den Kunden über den Haufen geworfen?
  • Ist es möglich, sinnvolle Sprint-Ziele zu schnüren, die dem Team helfen?

Darüber hinaus verstehe ich das Scrum Framework auch lediglich als Framework. Was ich damit sagen will: Pass es so an, dass es für Dein Team und das Projekt den größten Mehrwert erzeugt. Beispielsweise hatte ich den Eindruck, dass Refinements oftmals nicht in der Intensität genutzt wurden, wie es notwendig gewesen wäre, um ein gemeinsames Verständnis im Team zu erzeugen. Daher hatte ich meinen Teams vorgeschlagen, Unteraufgaben direkt im Refinement zu schreiben, um sich intensiver mit der Story auseinander setzen zu müssen. Diese kleine Anpassung hat tatsächlich zu intensiveren Diskussionen, einem besseren Verständnis und somit zu einer valideren Schätzung geführt. Last but not least ist der Scrum Master dafür verantwortlich, dass die agilen Werte und Prinzipien eingehalten werden und auf Fokus in der täglichen Arbeit zu achten. Oftmals verliert sich das Team in den täglichen Aufgaben, was auch total menschlich ist. Wenn der Scrum Master also darauf nicht achtet, tut es vermutlich Niemand. Dies führt in den meisten Fällen dazu, dass die Anwendung agiler Methoden nicht zu dem gewünschten Erfolg führt.

Was sind tägliche Aufgaben eines Scrum Masters?

Eigentlich ist kein Tag wie der andere. Manchmal bin ich 8 Stunden im Büro und frage mich abends, was eigentlich den ganzen Tag passiert ist. Ich führe viele Gespräche mit dem Team, tausche mich mit anderen Scrum Mastern aus und begleite – wenn möglich – alle Regeltermine (Daily, Refinement, Planning) der Teams. In den Terminen achte ich darauf, dass der Fokus sowie der Sinn und Zweck des Termins nicht aus den Augen verloren wird. Darüber hinaus coache ich die PO´s hinsichtlich der Formulierung von User Stories und der korrekten Priorisierung des Backlogs. Wenn ich zwischendurch Zeit habe, recherchiere ich Ansätze zu aktuellen Problemstellungen, bereite interne und externe Workshops oder Retrospektiven vor und entwickle Ideen zu Teambuilding und -optimierungen.

Das klingt so, als wärst Du immer sehr nah am Team. Ist es denn auch wichtig, dass der Scrum Master ein inhaltliches Verständnis für das Business besitzt?

Auf jeden Fall! Ich sehe das als zwingend notwendig an. Mein Wissen ist natürlich nicht mit dem eines Entwicklers vergleichbar. Allerdings muss ich das Projekt inhaltlich zumindest auf einer gewissen Flughöhe verstehen, um sinnvoll bei der Priorisierung des Backlogs unterstützen zu können oder um z.B. zu erkennen, wann das Team komplett an einer Anforderung vorbei arbeitet.

Wie ist das Verhältnis zwischen dem Scrum Master und dem Kunden? Wie wirst Du als Scrum Master vom Kunden akzeptiert?

Die Akzeptanz ist von Kunde zu Kunde total unterschiedlich und hängt auch von dem von dem agilen Reifegrad des Kunden ab. Es gibt Kunden, die einfach ihre Tickets abgearbeitet haben möchten und die ganzen Regeltermine sowie den Scrum Master als leidlichen Overhead sehen. Andere Kunden sind offener für das agile Vorgehen und sehen den regelmäßigen Austausch zu Optimierungen der Zusammenarbeit in Form von Lessons Learned Sessions als sehr wertvoll an. Einige Kunden sind von der agilen Zusammenarbeit mit uns so begeistert, dass ich als Scrum Master auch schon gebeten wurde, einen Workshop zur agilen Vorgehensweise mit anderen Kollegen durchzuführen. Solche Momente sind der Beweis für mich, dass wir anscheinend irgendwas richtig machen. (Kate lacht)

Scrum Master_Kate
Das größte Verständnis erzeugst Du nicht durch Theorie, sondern durch Erleben!

Wie ist das Vorgehen mit dem Kunden?

Der Kunde muss von Anfang an zu Gründen und Vorteilen der agilen Vorgehensweise abgeholt werden. Gemeinsam sollte in einem Kick-Off Termin eine gemeinsame Produktvision erarbeitet und überlegt werden, welche Vorgehensweise für das Projekt am sinnvollsten ist. Das muss nicht immer Scrum sein. Egal, auf welche Vorgehensweise man sich einigt, ist regelmäßiges Feedback vom Kunden in Form von und Reviews und Retrospektiven das A und O.

Warum kostet der Scrum Master Geld?

Ich weiß, dass sich viele Kunden diese Frage stellen. Das Problem dabei ist vermutlich, dass die Arbeit eines Scrum Master hauptsächlich im Hintergrund erfolgt. Das DEV Team arbeitet ausschließlich an Stories aus dem Backlog. Das bedeutet, dass ihre Arbeit einen eindeutigen inhaltlichen Bezug hat und für den Kunden nachvollziehbar ist. Als Scrum Master wirkst Du indirekt auf Dinge wie z.B. das Erreichen des Sprint-Ziels, eine bessere Kommunikation innerhalb des Teams oder die Steigerung der Team Performance (Burnrate/ Lead Time) ein. Das sind alles Dinge, die der Kunde nicht direkt auf Ticketebene wahrnimmt. Das macht es teilweise wirklich schwer, die Arbeit eines Scrum Masters für den Kunden nachvollziehbar zu machen. Gerade deshalb ist es so wichtig, bei dem Kunden von Anfang an als verantwortliche Person für eine effiziente Vorgehensweise und als Ansprechpartner für Themen, die die Zusammenarbeit betreffen, aufzutreten. Was spricht eigentlich dagegen, den Kunden mal an einer Team Sprint Retrospektive teilnehmen zu lassen, um ein besseres Verständnis des Termins und der Arbeit eines Scrum Masters zu bekommen? Wir haben doch nichts zu verstecken, sondern eher noch einiges an „Aufklärungsarbeit“ hinsichtlich der agilen Arbeitsweise zu leisten. Und ich bin sowohl bei unseren Kunden als auch bei meinen bisherigen Teams der Meinung: Das größte Verständnis erzeugst Du nicht durch Theorie, sondern durch Erleben!

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