E-Commerce ist kein Projekt!

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E-Commerce ist kein Projekt!

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Mit großem Eifer und Budget ist das Ziel gesteckt: Ein Shop Relaunch muss her. Mehr Umsatz soll über digitale Kanäle erfolgen. Das ist das Großprojekt für 2018. Dabei soll der neue Shop schon in sieben Monaten live gehen. Alle warten und hoffen darauf. Doch dann wird aus Großprojekt schnell eine Großbaustelle.

Für einen Shop Relaunch wird in den meisten Fällen ein Projekt angesetzt. Ein Zeitraum wird definiert und festes Budget wird eingeplant. Es werden Verträge zum Festpreis mit klar definierten Vorgaben angesetzt.

Doch in dieser Herangehensweise und Organisation liegt ein Problem. Denn E-Commerce ist kein Projekt, sondern ein langer Prozess, der mit der Zielsetzung erst richtig beginnt. E-Commerce-Vorhaben sind nicht auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Es gibt den Startpunkt, aber eben kein definiertes Ende. Und um den Prozess erfolgreich zu starten, müssen Veränderungen in den Köpfen beginnen.

Ziele gemeinsam groß machen

Warum es überhaupt zu Festpreis-Verträgen kommt, ist nachzuvollziehen. Verantwortliche wollen Risiken minimieren. Das „Projekt“ soll natürlich nicht überlaufen. Keine Frage soll offen bleiben und für alles muss eine Antwort definiert sein. Doch unsere Welt hat sich verändert: Sie ist durch Wandel gekennzeichnet. Nichts bleibt lange, wie es war. Die Antworten auf Fragen von heute gelten in Zukunft vielleicht nicht mehr. Wer denkt, seine Großeltern hätten es schwer, Smartphones und die digitalen Veränderungen zu verstehen, sollte sich erst einmal überlegen, wie es unserer Generation ergehen wird. Digitaler Wandel geschieht exponentiell schnell.

Genau deswegen funktionieren einschränkende Projektvorgehen, deren Umsetzung erst ein oder zwei Jahre später begonnen wird, nicht mehr. Was heute vereinbart wird, kann übermorgen schon wieder überflüssig sein. Besonders im E-Commerce kann niemand zu 100% wissen, wie der Kunde morgen einkaufen möchte und was das Shopsystem dann können muss. Es ist daher umso wichtiger, sein Mindset zu verändern. Ein Wasserfall-Projekt, also ein lineares, starres Vorgehen, das viel Planungssicherheit bietet, hat vielleicht einmal sehr gut funktioniert. Doch auch im traditionellen Mittelstand setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass das nicht mehr immer der Fall ist, gerade bei großen Prozessveränderungen. Wir sollten daher alle offener dafür werden, klein anzufangen und die Sache gemeinsam groß zu machen: alle Stakeholder mit ins Boot holen und gemeinschaftlich die Ziele erreichen. Eine agile, iterative Herangehensweise ist wünschenswert und von großem Vorteil. Und dazu ist Vertrauen notwendig.

Agiles Framework

Kunden haben bei agilen Ansätzen Angst, Budget und Ergebnisse nicht unter Kontrolle zu haben. Doch erst durch agile Vorgehensweisen werden diese Risiken wirklich minimiert: Alle Stakeholder sind in stetigem, engen Austausch und definieren den Business-Wert gemeinsam. Ein Unternehmen ist stark am Prozess beteiligt und kann jederzeit eingreifen, falls etwas in eine unerwünschte Richtung läuft. In diesem iterativen Prozess bleiben Entscheidungen und auch Ergebnisse sehr flexibel. Dabei sollte ganz pragmatisch und leichtgewichtig vorgegangen werden: Nicht erst Jahre analysieren, um loslegen zu können. Es ist viel effektiver, klein anzufangen, auszuprobieren, daraus zu lernen und dann schnell zu verbessern, anstatt erst nach einem Jahr Arbeit die Ergebnisse zu hinterfragen.

Projektlos, aber nicht ziellos

Nicht in Projekten zu denken, bedeutet dabei aber nicht, plan- und ziellos vorzugehen. Es muss eine klare Vision geben, an die unternehmerisch herangegangen wird. Es bietet sich dazu auch trotzdem an, ein allgemeines Budget für die Digitalisierung einzurichten, aber eben nicht in Projekten und Festpreisen zu denken. Und zu guter Letzt kann sich jeder schon einmal hinter die Ohren schreiben: Bei allen E-Commerce-Visionen muss zu 100% aus Nutzersicht gedacht werden.