Rabatt-Lüge im E-Commerce: Alte Architektur zerstört Vertrauen

Rabatt-Lüge statt Größe 46: Alte E-Commerce-Architektur zerstört das Kundenvertrauen

50 Prozent Rabatt, Größe 46 verfügbar. Das sagt Google und Preisvergleichsseiten. Im Shop angekommen gilt der Rabatt aber nur für Größe 40. Was wie ein kleines Ärgernis wirkt, ist in Wahrheit ein strukturelles Problem im digitalen Handel. Das kostet Umsatz, Vertrauen und Wachstum.

Wednesday
25
February
 
2026

Der Moment, in dem Vertrauen kippt

Der Ablauf ist immer gleich. Ein begehrtes Produkt, sagen wir ein Sneaker einer bekannten Marke, wird extrem günstig mit 50 Prozent Rabatt angezeigt. Google Shopping zeigt „verfügbar“, was man über Idealo oder andere Preisvergleichsseiten verifiziert. Dann ist der Klick in den Shop schnell gesetzt. Doch dort folgt schnell die Ernüchterung: Der Rabatt gilt nur für eine Restgröße in 41. Die gewünschte Größe 46 ist entweder nicht verfügbar oder gar nicht reduziert. Was beim Kunden bleibt, ist purer Frust. Und ein Vertrauensbruch.

Anders sieht es bei einfachen, funktionalen Produkten wie einer kabellosen Tastatur aus. Hier sind Varianten meist auf Farbe begrenzt, Preisaktionen gelten produktweit – und genau deshalb entsteht kaum Enttäuschung, weil Angebot und Erwartung sauber zusammenpassen.

Viele Shopbetreiber betrachten solche Situationen des Vertrauensbruchs jedoch als Randproblem. Ein Detail in der Preisdarstellung. Eine unsaubere Konfiguration. Ein Timing-Thema bei der Bestandsaktualisierung. In Wahrheit liegt das Problem tiefer. Es ist kein UX-Fehler. Es ist ein Architekturproblem. Wenn ein Shop ein Preisversprechen abgibt, muss das System dieses Versprechen halten und zwar bis auf die Variantenebene. Alles andere ist strukturelle Inkonsistenz.

UX ist nicht nur die Darstellung, sondern Systemqualität

User Experience beginnt nicht im Frontend, sondern sie beginnt im Datenmodell. Preis, Variante, Bestand, Rabatt und Kanal müssen konsistent zusammenspielen. Wenn das Commerce-System die Preise anders versteht als der Feed, wenn das Order Management System andere Bestände kennt als der Shop, wenn die Suche auf Produktebene indexiert anstatt auf Variantenebene, dann entsteht zwangsläufig ein schlechtes Kundenerlebnis.

Das klassische „ab“-Preis-Modell ist dabei besonders problematisch. Ein Produkt wird mit einem attraktiven Einstiegspreis beworben, obwohl dieser nur für eine einzige Variante gilt. Technisch mag das korrekt sein. Für Kundinnen und Kunden ist es irreführend. Sie denken nicht in Produktdatenmodellen. Sie denken in ihrer Größe, ihrer Farbe, ihrer konkreten Auswahl. Bekleidungsstücke in Größe XS bis M werden mittlerweile günstiger angeboten als L bis XL. Noch größere Modelle mit 2XL, 3XL oder 4XL werden aufgrund der höheren Anteile am Material höher bepreist. Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch Aktionspreise nur angelockt. Und wenn Größe 46 bei den Sneakern nicht rabattiert ist, darf dieses Produkt auch nicht wie ein rabattiertes Angebot in Suchergebnissen oder Produktdetailseiten wirken. So einfach ist das.

Beim Kauf von technischen Geräten wie einer Tastatur ist die Frustration auf Kundenseite eher gering.
Beim Kauf von technischen Geräten wie einer Tastatur ist die Frustration auf Kundenseite eher gering.

Vermischte Ebenen sind das strukturelle Kernproblem

Viele gewachsene Shopsysteme vermischen logische Ebenen, die sauber getrennt gehören. Das Produkt wird als Einheit betrachtet, obwohl Preis und Verfügbarkeit eigentlich variantenspezifisch sind. Rabatte werden global ausgespielt, obwohl sie nur einzelne Ausprägungen betreffen. Bestände werden periodisch synchronisiert, obwohl sie sich in Echtzeit ändern.

Hinzu kommen Mechaniken, die nur ein- oder zweimal täglich aktualisiert werden. Währenddessen verändern sich Lagerbestände, Reservierungen und Verkaufszahlen. Das Ergebnis sind Anzeigen, die etwas versprechen, was operativ nicht mehr existiert. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist systemische Inkonsistenz. Und sie skaliert mit jedem Marketing-Euro.

Marktplätze als Verstärker des Problems

Noch deutlicher wird das Problem im Marktplatz-Kontext. Hier treffen unterschiedliche Händler, Lager, Preisstrategien und Restposten aufeinander. Ein Händler räumt seine Bestände aggressiv ab, ein anderer verkauft zum regulären Preis. Ein dritter hat nur noch einzelne Größen auf Lager.

Doch für den Kunden erscheint das Produkt als Einheit, denn der Hinweis zu „Verkäufer“ bzw. „Verkauft von“ wird marginalisiert klein dargestellt, so dass echte Unterschiede nur bei genauerem Hinsehen auffallen. Ein „ab“-Preis aggregiert im Marktplatz vollkommen unterschiedliche Angebote. Rabatt-Badges werden dann auf Produktebene angezeigt, obwohl sie nur für einzelne Angebote gelten. Verfügbarkeiten wirken pauschal, obwohl sie händler- und lagerabhängig sind.

Marktplätze sind keine reinen Marketingflächen. Sie sind Echtzeit-Preis- und Verfügbarkeits-Systeme. Wenn ihre Architektur zwischen Produkt, Variante und Händlerangebot nicht sauber trennt, entsteht Intransparenz. Und Intransparenz zerstört Vergleichbarkeit – die eigentliche Stärke von Marktplätzen. Was technisch als Aggregation gedacht ist, wird aus Kundensicht zur Enttäuschung.

Der betriebswirtschaftliche Schaden

Viele Unternehmen unterschätzen die wirtschaftliche Dimension dieses Problems. Jeder Klick auf ein vermeintlich rabattiertes Produkt kostet Geld. Jeder Absprung nach enttäuschter Erwartung verschlechtert die Performance-Kennzahlen. Jede Inkonsistenz zwischen Feed und Shop drückt die Effizienz von Google Shopping oder Performance Max.

Conversion Rates sinken messbar. Quality Scores leiden massiv. Media-Budgets werden ineffizient eingesetzt. Gleichzeitig leidet die Marke. Denn Vertrauen ist nicht kurzfristig kompensierbar. Wer sich wiederholt getäuscht fühlt, kommt nicht zurück. Das Problem ist damit nicht nur operativ, sondern strategisch. Wer wachsen will, muss Vertrauen skalieren können. Und Vertrauen basiert auf konsistenten Daten.

Die Freude ist groß, wenn das bestellte Produkt endlich ankommt.
Die Freude ist groß, wenn das bestellte Produkt endlich ankommt.

Die architektonische Antwort

Die Lösung liegt nicht im besseren Design oder in geschickterer Kommunikation. Sie liegt in einer sauberen, variantenzentrierten und offer-basierten Systemarchitektur. Ein modernes Commerce-System wie commercetools erlaubt es, Preise und Rabatte präzise auf Variantenebene zu modellieren und kanalabhängig auszuspielen. Ein angebundenes Order Management System wie fulfillmenttools stellt sicher, dass Bestände in Echtzeit synchronisiert und reserviert werden. Eine Suchlösung wie Algolia kann nur dann korrekt filtern und priorisieren, wenn sie auf einem sauberen, variantenspezifischen Index aufsetzt. Die Produktdaten werden über Akeneo abgeglichen und in allen Kanälen konsistent dargestellt. Ein einfach sinnvolles Architekturkonzept.

Entscheidend ist dabei nicht das einzelne Tool, sondern das Zusammenspiel: Ein klar modelliertes Produkt- und Variantenmodell, offer-basierte Preislogik, Echtzeit-Bestände und eine konsistente Feed-Strategie. Erst wenn Produkt, Variante und Angebot technisch sauber getrennt und gleichzeitig logisch verbunden sind, entsteht Vertrauen im Frontend.

Replatforming ist die logische Konsequenz

Wenn ein bestehendes System nicht in der Lage ist, variantenspezifische Preislogik, Echtzeit-Bestände und offer-basierte Aggregation sauber abzubilden, dann ist es nicht mehr zukunftsfähig. Gerade jetzt im Jahr 2026 ist dies umso dringender – und wir haben hier noch gar nicht über AI Features gesprochen. Replatforming ist keine kosmetische Modernisierung. Es ist eine strategische Investition in Skalierbarkeit.

Wer heute sein Geld in Performance-Marketing steckt, aber mit einer veralteten Architektur arbeitet, die den Kunden gegenüber falsche Erwartungen erzeugt, handelt betriebswirtschaftlich widersprüchlich. Wachstum braucht strukturelle Klarheit. Und strukturelle Klarheit entsteht nicht in Workarounds, sondern in der Systemarchitektur.

Das waren zwar keine Sneaker, aber die Tastatur hat den Tag gerettet.
Das waren zwar keine Sneaker, aber die Tastatur hat den Tag gerettet.

Was bedeutet das für Deine Commerce-Strategie?

Ein Rabatt, der nur für Größe 40 gilt, darf nicht wie ein universelles Angebot aussehen. Verfügbarkeit muss stimmen – wie gesagt, bis auf Variantenebene. Marktplätze müssen Angebote sauber differenzieren. Feeds müssen die Realität widerspiegeln. Suche muss präzise sein.

Vertrauen ist im E-Commerce die eigentliche Währung. Wer es verspielt, verliert mehr als eine Conversion. Wer es systematisch absichert, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum, z.B. mit einer Composable Commerce Systemarchitektur ohne wenn und ohne aber.

kernpunkt begleitet Unternehmen dabei, ihre gewachsenen Strukturen kritisch zu hinterfragen und eine Commerce-Architektur aufzubauen, die Preis, Variante, Bestand und Kanal sauber orchestriert. Nicht als IT-Projekt, sondern als strategische und technische Grundlage für skalierbares Wachstum. Lerne uns bei einem unverbindlichen Erstgespräch kennen.

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